Krebs ist die zweithäufigste Todesursache, jeder dritte Europäer wird daran erkranken.
Die folgende Abbildung zeigt die krankheitsbedingten Todesursachen in ihrer Häufigkeit in den USA.
U.S. National Center of Health Statistics:
652’486 Menschen starben an Herz/Kreislauf Erkrankungen
553’888 starben an Krebs
(2008, www.cdc.gov)
Die Schweiz
In der Schweiz gibt es pro Jahr 35'911 neue Krebserkrankungen (Quelle: Krebsliga Schweiz, Stand Februar 2011). Davon wurde in etwa 20'000 Fällen eine Strahlentherapie durchgeführt (Quelle: Schweizerische Ärztezeitung 2009, 90:11). Das ist, verglichen mit den Zahlen der Krebsliga Schweiz von 2008, ein Anstieg pro Jahr von ca. 3%, was auch international als Richtwert gilt.
Es wird davon ausgegangen, dass absehbar 10-15% der Strahlentherapien Protonentherapien sein werden, wie Urs Martin Lütolf in der NZZ vom 25.06.2009 bestätigte (Urs Martin Lütolf, NZZ vom 25.06.2009). Damit ergibt sich in der Schweiz ein zu erwartendes Patientenaufkommen von 2'000 bis 3'000 Fällen pro Jahr.
Diese Einschätzung ist mit verschiedenen wissenschaftlichen Publikationen hinterlegbar, die Arbeit von Glimelius et al. (B. Glimelius et al., Number of patients potentially eligible for proton therapy, Acta Oncologica, 2005; 44: 836-849) gilt immer noch als Standard und stellt die schwedischen Verhältnisse dar. Die Ergebnisse dieser Studie können gut auf die Situation in der Schweiz übertragen werden. Zusätzlich wurden Studienergebnisse aus Belgien, Grossbritannien, Österreich, Deutschland und den USA herangezogen.
Wie in der Presse berichtet, plant das Paul Scherrer Institut im Rahmen ihres Forschungsauftrages zukünftig 400 bis 500 Patienten mit Protonentherapie zu behandeln, damit verbleibt immer noch ein offener Therapiebedarf in Höhe der Kapazitätsgrenze des PTC in Galgenen.
Zusätzlich zu erwartende Patienten aus dem Ausland sind diesem Behandlungszahlen noch hinzuzufügen so dass mit einer Auslastung der Therapiekapazität des PTC Galgenen in jedem Fall zu rechnen ist.
Zurzeit ist die Protonentherapie als eine Leistung im Rahmen der hochspezialisierten Medizin (HSM) eingestuft, das heisst unter dem Kriterium der Seltenheit der Anwendung. Das von Fachkreisen erwartete Patientenaufkommen in der Schweiz liegt aber bei über 3000 Patienten pro Jahr. Damit ist das Kriterium der Seltenheit nicht gegeben. Folglich fordert die PTCS einem Ausschluss der Protonentherapie aus der IVHSM damit die Aufhebung möglicher Standorteinschränkungen.
Es stellt sich, entgegen anderslautender Kommunikationen, sogar die Frage, ob es eines Tages Warteschlangen in Galgenen gibt und ob nur ein rein klinisches Proto-nentherapiezentrum in der weiteren Zukunft ausreichend ist (siehe auch: „Behandlungskapazität des Protonentherapiezentrums“).
Die Anzahl der Todesfälle durch maligne Tumoren in der Schweiz pro Jahr beträgt ca. 16'000 (Quelle: Gesundheitswesen Schweiz, Ausgabe 2009/2010, Interpharma 2010 Basel).
Die Krebserkrankungen mit der ungünstigsten Überlebensprognose und deren Todesfälle pro Jahr sind:
- Lunge (1,3 Millionen Todesfälle weltweit / 2`864 in der Schweiz)
- Bauchraum (803 000 Todesfälle weltweit / 3`248 in der Schweiz)
- Kolorektal (639 000 Todesfälle weltweit / 1`591 in der Schweiz)
- Leber (610 000 Todesfälle weltweit / 552 in der Schweiz)
- Brust (519 000 Todesfälle weltweit / 1`358 in der Schweiz)
(Quelle: WHO Cancer Report, Krebsliga Schweiz - Stand November 2009).
Fazit:
Wieso müssen in der Schweiz jährlich 9`613 Menschen an diesen Krankheiten sterben, ohne Protonentherapie als Option für eine möglicherweise höheren Heilungschance erwägen zu können?
Nach Schweizer Strahlenschutzgesetz, 2. Kapitel, Art. 8, 9 und 15 hat der Patient einen rechtlichen Anspruch auf eine Strahlenbehandlung mit „… Begrenzung der Strahlenexposition … mit allen Massnahmen, die nach der Erfahrung und dem Stand von Wissenschaft und Technik geboten sind“.
Das Ausland
Das Zahlenwerk der Weltgesundheitsorganisation (World Cancer Report) weist aus, dass im Jahre 2000 weltweit 10 Millionen Neuerkrankungen an bösartigen Tumoren zu verzeichnen waren. Die Prognose für das Jahr 2020 sagt 15 Millionen Krebsneuerkrankungen voraus.
In der Europäischen Union gibt es zurzeit 2’3 Millionen Krebsneuerkrankungen pro Jahr.
Allgemein gilt für westliche Industrienationen, dass auf 10 Millionen Einwohner pro Jahr ca. 45‘000 Krebsneuerkrankungen anfallen. Von diesen Erkrankungsfällen werden heute in westlichen Industrienationen etwa 65% einer alleinigen oder kombinierten Strahlenbehandlung unterzogen.
Für 10-15% dieser Patienten erscheint eine Protonentherapie angezeigt.
Die geschätzten Krebsneuerkrankungsfälle in Ländern mit hoher Bevölkerungszahl, in jedem Fall einer wohlhabenden Oberschicht, aber einer deutlichen Unterversorgung in Radioonkologie und vielfach nicht vorhandener Protonentherapie sind zum Beispiel
- Russland (ca. 660.000 Neuerkrankungen),
- Ukraine (ca. 220.000 Neuerkrankungen),
- China (ca. 5 Millionen Neuerkrankungen),
- Kasachstan (ca. 70.000 Neuerkrankungen),
- Türkei (ca. 310.000 Neuerkrankungen),
- Israel (ca. 28.000 Neuerkrankungen),
- Saudi Arabien (ca. 100.000 Neuerkrankungen),
- Iran (ca. 300.000 Neuerkrankungen),
- Vereinigte Arabische Emirate (ca. 11.500 Neuerkrankungen),
- Ägypten (ca. 350.000 Neuerkrankungen).
Quelle: SEER Estimate 2002
Diese Daten stellen zwar Extrapolationen dar, sind also ohne landesspezifische Quellen erstellt, sie machen aber deutlich, dass es in diesen ausgewählten Regionen der Welt potenziell zirka 7 Millionen Krebsneuerkrankungen gibt. Nach obigem vorsichtigem Ansatz mit 10% kämen also 700.000 potenzielle Krebs-patienten mit einer Indikation für Protonentherapie auf.
Im Rahmen der Globalisierung, einer immer weiter aufgeklärten Bevölkerung und dem ausgezeichneten Ruf der Schweizer Radioonkologie kommt also in den nächsten Jahren ein erheblicher Bedarf auch aus dem Ausland zu dem Patientenaufkommen aus der Schweiz hinzu.
Im nördlich, östlich und südlich angrenzenden Ausland, das heisst in den Deutschen Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern, in den Italienischen Regionen Piemont, Aostatal und Lombardei, sowie in Österreich leben rund 46 Millionen Menschen. Es ist statistisch mit ca. 250´000 Krebsneuerkrankungen zu rechnen, wovon wiederum bei etwa 2/3, das heisst ca. 150´000 Patienten, eine Strahlentherapie durchgeführt wird.
Setzt man auch hier ca. 10-15% Indikationen für Protonentherapie an führt das zu einem potentiellen Patientenaufkommen aus dem direkt angrenzenden Ausland von ca. 15´000 bis zu über 20´000 Fällen.
Demgegenüber steht lediglich ein einziges Protonentherapiezentrum im klinischen Betrieb in München als Leistungsanbieter zur Verfügung.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass ein einziges Protonentherapiezentrum in der Schweiz bereits heute hypothetisch komplett ausgebucht wäre und Wartelisten in kaum zu verantwortender Länge geführt werden müssten.